Eine Schnecke, die langsam über einen Schotterweg schlecht

Himbeeren mit Hindernissen

Heute Morgen gehe ich schon gleich, nachdem meine Frau zur Arbeit aufgebrochen ist, zu Edeka. Nicht, weil ich gerne den Wocheneinkauf machen möchte – das hat meine Frau schon letzte Woche erledigt, sondern, weil ich ein kleines Päckchen zur Poststelle bringe, welches eine Computermaus enthält. Ich mache neuerdings wieder ebay. Und da ich mir neulich eine neue, ergonomische Maus angeschafft habe (ich bin jetzt 57 und meine Schulter bringt mich um), bringe ich die alte zur Post, damit sie noch jemand anderem nützlich sein kann. So weit so gut. Es ist ein kleiner, feiner Spaziergang am Morgen, dicht an Bahngleisen entlang, durch saftiges Mai-Grün, den murmelnden Hasenburger Bach über eine Brücke überquerend, welche sich hölzern halbrund über das Wasser beugt (sehr poetisch, der Mai, gell?). Was ich außerdem bei Edeka brauche, das ist Grillanzünder, natürlich ökologisch. Den finde ich auch schnell bei EDEKA, man hat – es wird Sommer – die Grillutensilien gleich an der Kasse aufgebaut. Morgens um halb zehn, nach drei Feiertagen, da ist die Schlange an der Kasse natürlich lang. Schon beim Eintritt in den Supermarkt war mir aufgefallen, dass eine Reihe mit Einkaufswagen drohend vor sich herschiebender Hausfrauen (ja – es sind fast  alles immer noch  Frauen, die diese Arbeit erledigen), den Supermarkt fluteten, im Run auf die neuesten Angebote, scheinbar nicht nur die Inflation bekämpfend. Die ersten dieser Damen hatten sich also schon vor der Kasse eingefunden. Und ich, mit meinem Grillanzünder in der Hand, bemerke, dass noch ein zweiter Mensch an einer anderen Kasse sitzt, deren Nummer allerdings nicht grün aufblinkt, zu früh gefreut, die Kasse wird wohl repariert.

Versuchungen am Grabbeltisch

Also warten. Und auf den Grabbeltisch schauen. Und ins Zeitschriftenregal dahinter. Und die „11 Freunde“, diese Fan-Fussballzeitschrift entdecken. Diese herausziehen. Und bevor ich sie wegen kleinen Wochenbudgets wieder hereinstecken möchte, mit der Zeitschrift in der Hand in die Schlange zurückhechten, weil sonst, oh weh, mein Einkauswagenplatz, der mühsam erkämpfte, in der Schlange futsch wäre. .Also weiter warten. Mit Grillanzünder und Zeitschrift in der Hand. Mich umblicken und beobachten. Den Mann mit der ungewöhnlichen Physiognomie, der die Kasse bedient, beobachten. Dieser hat einen schwierigen Montagmorgen, obwohl es eigentlich schon Dienstag ist. Montag war Feiertag. Tag der Arbeit. Ich werde nie verstehen, warum ausgerechnet am „Tag der Arbeit“ nie gearbeitet wird, aber das ist ein anderes Thema. Der Mann mit der seltsamen Physiognomie an der Kasse hat einen schlechten Start. Er muss die in Plastik verpackten Himbeeren (wohlgemerkt, wir haben Mai!) über die Kasse ziehen und der scan-Code funktioniert nicht. Nicht nur einmal nicht – dreimal. Er muss dreimal hintereinander, von drei verschiedenen Himbeerpackungen, den scan-Code händisch eingeben. Die Frau mit den weißen Turnschuhen, nackten Knöcheln, Jogging-Hose und Gucci-Tasche, schaut schon ganz ungeduldig. Möglicherweise parkt ihr SUV im Halteverbot, wer weiß. Doch damit nicht genug. Die Frau hat auch mehrere Avocados ausgesucht und will sie nun käuflich erwerben. Als „unser Mann hinter der Kasse“ diese nun über den Scanner zieht, leuchtet auf seinem Bildschirm ein rotes Warndreieck auf. Dieses trägt ein weißes Ausrufezeichen. Ganz offensichtlich funktioniert hier der Barcode auch nicht und unser Mann an der Kasse muss nachschauen.

Eine Welt, die wir geschaffen haben

So ein Elend. Das ist fürchterlich, denke ich: Ein Supergau für unseren kleinwüchsigen Kassenhelden: erst die drei Himbeerpackungen, jetzt auch noch zwei Avocados, deren Preis er nachschauen muss, in diesen Listen, die an Tafeln hängen, und alles dann händisch eingeben. Dieser Mann hat einen festen Job. Er arbeitet schon lange bei Edeka. Offensichtlich wohnt er in der Nähe, denn ich begegne ihm manchmal auf dem Weg zur Arbeit. Er hat einen festen Job, geregelte Arbeitszeiten, Tarifurlaub, Weihnachtsgeld. Aber er muss lange Zahlenkolonnen händisch in eine Computertastatur eingeben, mit einer Engelsgeduld. Weil Menschen Fließbänder erfinden, damit alles schneller geht, um Zeit zu sparen, weil ja der SUV im Halteverbot parkt. Dieser Mann hinter der Kasse, der muss offensichtlich seinen Job sehr lieben, denn er bleibt völlig ruhig, während ich mich sehr, sehr wundere über die Welt, die wir geschaffen haben. Eine Welt mit Plastikhimbeeren, Scannerkassen, weißen Turnschuhen, die völlig unpraktisch sind und SUV, die zu groß sind, um auf regulären Parkplätzen zu stehen.

Okay, ich gebe es zu: dass die Turnschuh-Frau einen SUV fährt, der auch noch im Halteverbot stehen soll, dass ist wohlmöglich einfach nur eine Projektion von mir. Aber es hätte zu meinem an diesem Morgen sehr bröckeligen Weltbild gepasst.

Ankündigung Kap-Horn-Abend auf instagram

Wie ich Kap Horn umsegelte

Am 20. April 2023 habe ich einen Auftritt im One World Kulturzentrum in Reinstorf bei Lüneburg. Ich umsegele an diesem Abend Kap Horn. Und zwar in einer Viermastbark im Jahre 1911. Ich bin der Leichtmatrose Robert, der Kapitän Clauß, der Matrose Wilhelm Franke, der an Bord in vielen Stürmen Leben rettet und so Ziehharmonika spielt, dass die Todgeweihten Matrosen ihre Sorgen und Erschöpfung vergessen. Ich singe mit Buby Twesten, einem Accordionisten, Seemannlieder und lausche gebannt den Familiengeschichten der Minne Nolze, der Tochter von Robert Clauß, der diesen Augenzeugenbericht 60 Jahre nach der denkwürdigen  Umsegelung verfasst hat. Die Bark hieß Renne Rickmers und hatte vier Masten. Robert Clauß hat seine Familie immer dorthin bestellt, wo er gerade an Land ging, teils Abenteuer, teils Belastung für Frau und Kinder. In der Pause leutet ein Zuschauerkind an einer Schiffsglocke – diese ist im Besitz von Jens Thomsen, des Impresario (so würde die schon öfters in diesem Blog erwähnte „Tante Edith“ sagen) des One World Reinstorf. Er war es auch, der mir 7 Wochen zuvor an einem Sonntag um kurz nach sieben Uhr über facebook eine Nachricht sendete: hast Du Lust mit mir diesen Text zu lesen, in der Reihe „Unsere Geschichten“?  Jens Vater, der in Hamburger Seemannskneipen verkehrte, hatte einige Jahre zuvor diesen Bericht von einem anderen Kapitän, der auch Mitglied der „Kap Horniers“ (der Vereinigung der Seefahrer, die Kap Horn umrundet haben) war, geschenkt bekommen. Beim Ausmisten gefunden, war er nun begierig eine Live-Veranstaltung zu kreieren, die dem gar nicht mal so trockenen Text, Leben einhaucht und eine längst untergegangene Ära wieder auferstehen lässt. Es ist ihm gelungen.

Mit an Bord war eben jene Kapitäns-Tochter Minne Nolze, die nach der zweistündigen Lesung schier unaufhaltbar ihre Geschichten preis gab. Eine Form der „mündlichen Überlieferung“, wie sie Jens Thomsen, der eine Kindheit in Ghana verlebte, auch hier und jetzt wieder auferstehen lassen möchte. Als Schauspieler denke ich sofort: ja, das ist der Ursprung von Theater: wir erzählen uns Geschichten. Wir lauschen gebannt. Das kann man in Reinstorf hervorragend. Die weichen Ledersessel oder die Bänke am Rand des großen Tanzsaales laden zum Verweilen ein, man genießt ein Dachs-Bier, der örtlichen Brauerei, und lässt sich von der Lichtbilder (ja, es sind alte Schwarz-Weiß-Fotos!)-Präsentation alter Segelschiffe und Stürme vor Kap Horn beeindrucken, die Jens Thomsen extra für diesen Abend zusammengestellt hat. Die Bilder wurde ihm auch von der Vereinigung der Kap Horniers zur Verfügung gestellt, sie waren auch schon mal Teil eines Blogs. In disem Artikel könnt ihr die ganze Geschichte nachlesen.

https://nanareloadednet.wordpress.com/2017/03/12/kap_horn/

Am Abend des 20. April 2023 kommen circa 30 Leute ins Kulturzentrum. Teils sind sie schon 1 Stunde vorher da, um in der Gastronomie einen neuseeländischen Pie zu genießen, oder was die hervorragende Küche an diesem Tag sonst so gezaubert hat. Der Abend beginnt mit einem Einspieler. Neben Geräuschen eines Hochsee-Sturmes sehen wir einen alten Schwarz-Weiß-Film mit Aufnahmen eines Segelschiffes im Sturm, unter widrigsten Umständen gefilmt. Alles auf der großen Leinwand hinter der Bühne des Saales. Als die Geräusche verblassen, kommt unser Auftritt: Wir lesen mit Headsets, weil der Raum doch ziemlich groß ist, und die Leute recht verteilt sitzen. Das klappt sehr gut. Was uns vorwärts treibt, schon bei den Proben, ist die Hochspannung während der „52 Tage an See“, die sich an Bord hält. Die Lesung vergeht wie im Flug. Keine Flaute. Viele sind begeistert von der Authentizität sowohl des Original-Textes, als auch durch die Direktheit der Sprache Jens Thomsen`s, dessen Geschichte e s ja ursprünglich ist.

Ziehharmonika – nicht nur ein schönes Wort

Aufgelockert wird schon während des Textes, als von Wilhelm Franke als Ziehharmonika-Vortragendem die Rede ist, der Abend durch den plattdeutschen Sänger Buby Twesten, der nicht nur „La Paloma“ zum Besten gibt. Nach der Pause dauert es eine Weile, bis wieder „Ruhe an Bord“ ist. Einige haben sich noch etwas zu Essen bestellt, und die „Kombüse“ arbeitet auf Hochtouren, um pünktlich allen Bestellungen gerecht zu werden. Es werden Fotos geschossen, unter anderem hat Minne Nolze eine Fahne mitgebracht: die der Vereinigung der „Kap Horniers“. Diese ziert u.a. eine Möwe, derern „freier Flug“ allerdings von der Zange der Seefahrer „bezwungen“ wurde. Highlight der Requisite sind an diesem Abend die Original-Seestiefel des Capitän Claus, die Jens Thomsen auf einem kleinen Tisch mit Extra-Scheinwerfer auf der Bühne postiert hat. Die Stiefel waren zu Ausscheiden des Capitän Clauß wohl schon 60 Jahre alt und haben dann noch seit 1973 im Keller gestanden. Die Über-Knie-Schaftstiefel haben diese lange Zeit hervorragend überstanden. Jeder möchte ein Fotos davon. Nach Minne Nolze`s überborderndem Frage und Antwort-Spiel beenden wir das Erlebte mit Applaus und einem weiteren Getränk. In die Spenden-Box ist diesmal nicht soviel geworfen worden, aber „Eintritt frei“ nehmen viele Menschen gerne wörtlich, was in Zeiten von hoher Inflation aber verständlich ist.

Alles in Allem bin ich sehr froh, Teil dieses schönen Projektes und der Reihe „Unsere Geschichten“ gewesen zu sein. Ich wünsche Jens Thomsen, dem One World Reinstorf und der Reihe „Unsere Geschichten“ alles Gute und eine wachsende Zahl an Zuschauenden.

P.S. Die Fotos in diesem Blogartikel stammen von Inga Auch-Johannes.

Martin als "Feldherr"

Putin, du Wurst, du hast mich zum Feind !

So, Putin, das hast Du Dir jetzt selbst eingebrockt. Du hast mich zum Feind ! Das will erst einmal geschafft sein. Ich bin der friedliebenste Mensch auf der Welt. Abgesehen von gelegentlichen Jähzorn-Anfällen, ich bin ich die Ruhe selbst. Ich stamme nämlich aus einer Scheidungsfamilie. Meine Eltern haben sich dreißig Jahre lang bekriegt. Nach der Scheidung, wohlgemerkt. Es war ein stiller Krieg. Kein kalter. Sie schwiegen einfach. Redeten nicht mehr miteinander. Der einzige, der redete, das war ich.

Kriegsdienstverweigerer

Als ich 19 Jahre alt war, und es darum ging, ob ich zur Bundeswehr möchte, oder doch lieber den Dienst an der Waffe verweigere, da war die Sache für mich relativ klar. Nach der Lektüre eines Fotobuchs über den ersten Weltkrieg (“Krieg dem Kriege”) mit Fotos von grausamst verstümmelten Menschen – die plastische Chirurgie war damals noch nicht soweit fortgeschritten – und einer weiteren Selbstreflexion über unsere Familientraumata, da kam ich sehr schnell zu dem Schluss: Nein, Martin. Du nicht. Du wirst niemals eine Waffe in die Hand nehmen.

Können Waffen “defensiv” sein ?

Neulich fing ich zum ersten Mal in meinem seit 56 Jahren andauernden Leben an, an diesem Entschluß zu zweifeln. Das lag nicht nur daran, daß es keine Gelegenheit gegeben hatte, in all den Jahren, “in Versuchung zu kommen” militärisch auch nur zu denken. Nein, ich hatte eine Email bekommen, von einem katholischen Pfarrer, mit dem ich bekannt bin. Darin bat er mich, eine Petition zu unterschreiben, die die deutsche Bundesregierung auffordert, die Lieferung von Defensivwaffen in die Ukraine anzustreben (das kommt mir vor, als wäre das Jahre her, aber es sind erst fünf Wochen). Er hatte diese Petition selbst ins Leben gerufen, er, der er, wie er selber schreibt, immer überzeugter Pazifist und Kriegsdienstverweigerer war.

Die Armee der Zivis

Nicht nur, dass ich diese Petition unterschrieb, ich fing auch ehrlich an zu grübeln. Die alte Frage, die man angehenden Kriegsdienstverweigerern gerne stellte: was würden sie tun, wenn ein Angreifer ihre Freundin mit einer Waffe bedroht, und sie hätten auch eine, würden sie diese dann benutzen, diese rhetorisch fiese Frage, die rotierte in meinem Kopf. Und ich war plötzlich nicht mehr sicher, ob ich sie mit einem nein würde beantworten können. War ich während der Pandemie noch drum herum gekommen, zu einem “echten Zivildienst” als “Reservist” der großen “Armee der Zivildienstleistenden” eingezogen zu werden (ich fragte mich die ganze Zeit, warum denn niemand auf die Idee gekommen war, uns in Testzentren u.ä. zu schicken), so bin ich mir heute nicht mehr sicher, ob ich mich nicht für den freiwilligen Einsatz mit Waffe in die Ukraine melden soll. Sollten wir überhaupt das Glück haben, daß die Front dort “an der Ostflanke” bleibt.

https://www.swr.de/swraktuell/radio/hilfe-im-ukraine-konflikt-was-sind-defensivwaffen-100.html

Oldest school

Putin, du Arsch, wegen Dir muß ich jetzt dauernd in militärischer Sprache denken, reden und schreiben. Das will ich aber nicht. Ich verweigere das. Wegen Dir fühle ich mich jetzt dauernd in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts zurück versetzt. Ich war nie ein Fan von Sting. “The Russians love their children too” – ich hasse dieses sentimentale Kitschlied, habe es nie gemocht, jetzt habe ich es als Dauerohrwurm im Kopf. Ich bin auch kein Fan von Nostalgie und jeglicher Retroromatik. Die Welt war nicht besser zu Zeiten von Schwarzenegger, Reagan und während des sogenannten kalten Krieges. Putin, du rückständige Socke, du bis so old school. Älter als die Zeit, in der dieses Wort erfunden wurde. Älter als Hip Hop und Rap. Russland wäre so viel weiter ohne Dich. Die Russen haben so viel auf dem Kasten. Man müsste sie nur lassen. Du musst sie, Deine eigenen Leute, nur lassen. Putin, du Arsch. Ich hasse Dich.

Du weißt gar nicht, was wirkliche Freiheit ist

Aber was ich Dir wirklich übel nehme, Putin, Du stinkende Socke, dass ist der Angriff auf die Freiheit. Der Angriff auf die Kunst. Der Angriff auf die Theater. Ich will nicht sagen, daß das schlimmer wäre als die Angriffe auf Krankenhäuser, Waisenhäuser, Wohnhäuser und Einkaufszentren, auf wehrlose Menschen. Nein, natürlich nicht. Aber Putin, Alter, du greifst Künstler an. Du legst Dich mit meiner Zunft an. Mit mir. Selenskij ist auch ein Schauspieler, ein Künstler. Ist klar, ne ? Du hasst alles, was frei ist, selbstständig denken kann und auch tut. Du kommst nicht klar damit, daß Menschen selber bestimmen wollen, wie sie leben möchten. Du hasst Schwule. Du hasst alle Andersdenkenden. Mein Gott, was ist mit Dir passiert ? Was würde Deine Mutter dazu sagen, wenn sie wüsste, dass ihr Sohn tausende unschuldige Menschen brutal ermorden lässt.

Wutrede

Putin, Du Arsch, das hast Du Dir jetzt selber eingebrockt: du hast mich zum Feind. Du bekommst es jetzt mit mir zu tun. Ich nehme das nämlich persönlich. Putin, du stinkender Furz, du hast mich angegriffen und alles, was mir lieb und teuer ist. Es ist keine Ehre, mich zum Feind zu haben. Ich habe nämlich keine Feinde. Ich brauche das nicht. Ich habe Widersacher, Konkurrenten, manchmal auch einen Gegner oder eine Gegnerin, aber ich habe keinen Feind. Ich brauche das nicht. Du bist der einzige Feind, den ich habe. Ich spucke auf Dich. Du bist es nicht wert, daß ich mich mit Dir beschäftige. Du alter Narzisst. Hast Du es geschafft, ja ? Hat der kleine Wladimir jetzt die Aufmerksamkeit die er immer wollte ? Geh doch in Deinen scheiß Sandkasten zurück mit Deinen Spielzeugpanzern und laß alle anderen das 21. Jahhundert leben. Gehe Du zurück ins 19. Jahhundert und leg Dich zu Sigmund Freud auf die Couch. Aber laß uns in Ruhe.

So, du Arsch, das musste mal raus. Ich drehe jetzt die Heizung wieder ab. Mit ist warm geworden beim Schreiben. Ich brauche Dein verficktes Gas nicht. Licht aus.

Bild einer covid-19 Teststation (Container)

Nacktschnecken und Regelwut

Früher war ein “Test” in der Schule etwas, wovor man Angst hatte. Aber aus anderen Gründen. Weil man mit dem Stoff-Lernen nicht hinterher gekommen war. Weil man seine Hausaufgaben nicht gemacht hatte. Weil Mathe einfach doof ist. Oder Deutsch. Oder Bio. Wenn ich mir heute vorstelle, ein Jugendlicher, oder eine Jugendliche, sagt zu ihren Eltern: Ihr, ich habe heute einen Test in der Schule, dann muss man erst einmal nachfragen, was gemeint ist. Obwohl – noch so ein Paradoxon – die Schüler:in geht vielleicht sogar gerne zur Schule und ist froh, dass es diese Tests gibt. Weil – danach kann man endlich seine Freunde treffen.

Mittlerweile stehen ja überall diese Testzentren. Wenn ich vor gut einem Jahr jemanden gesagt hätte, Du, ich gehe jetzt einen Kaffee trinken, kommst Du mit ? Dann lautet heute die Antwort: gerne, in welches Testzentrum ? Die Bedienungen, die mich früher abkassiert haben, popeln mir heute in der Nase herum. Meinen Kaffee trinke ich im Anschluss lieber woanders. Im Mehrwegbecher im Stehen, oder auf der Parkbank. Ja, ja, sie haben uns gewarnt. Jetzt kommen bald überall diese “Corona-Komödien”. Und auch dieser Text ist nicht frei von Ironie oder Satire. Wenn es denn etwas zu lachen gibt. Also für mich, ich kann hier nur für mich sprechen. Meistens ist mir dieser Tage nicht so zum Lachen zu Mute.

Deutsche Variante

Zuviel ist passiert. Oder eben nicht passiert. Zum Beispiel das Impfen. Das ist eher nicht passiert. Soll schon noch kommen, hört man. Bis zum Sommer. Oder im Sommer. Oder gegen Ende des Sommers. Der Frühling ist in diesem Jahr natürlich auch nicht passiert. Bis auf zwei Tage im Februar. Und Pfingstmontag. Der war auch ganz schön. Wir haben dann gleich einen Ausflug gemacht, nach dem Motto “Das war der Sommer 2021”. Weil: das mit dem Urlaub steht ja auch schon wieder auf der Kippe. Nicht auf der Kippe steht das Rauchen. Ich zünde mir jetzt ab und an mal wieder eine an: auf dem Balkon. Bleibt ja nicht so viel an Vergnügen. Und irgendwo lag da noch ein Päckchen Tabak herum. Vom letzten Sommer. Der auch schon nicht passiert war. Ich will nicht jammern. Und auch nicht meckern. Es gibt nichts zu jammern. Ich bekomme mein Geld. In Indien grassiert die “indische Variante”. Hier in Deutschland: das deutsche Original: Die Bürokratie, die Phantasielosigkeit, die Regelwut, die deutsche Gründlichkeit. Als könne man das Virus durch Vorschriften einhegen. Eigentlich auch wieder ein lustiger Gedanke: Vielleicht zieht sich das Virus irgendwann aus Angst vor Paragraphen von selbst zurück. Wär schön.

Die Masken fallen

Eine große Schnecken-Skulptur aus Mosaik-Steinen auf einer Mauer um ein antroposophisch aussehendes Haus. Plus zwei Mosaik-Pilze. Auch auf der Mauer.
Die deutsche Schnecke

Neulich hatte ich einen Gedanken: das Virus lässt uns alle nackt voreinander dastehen. Es ist der große “Wahrmacher”. Alles, was nicht aus Liebe besteht, sägt es um. Wenn wir also am Ende der Pandemie (und es naht, das Ende !), nicht nackig voreinander stehen, dann haben wir etwas falsch gemacht. Dann sind wir nur wieder in die alten Angstbewältigungsstrategien zurück gekehrt. Dann hat sich jede/r wieder nur in seine eigene, kleine Kapsel zurück gezogen. Von wo aus er oder sie den oder die andere(n) mit Matsch bewirft. Oder eben leider nicht. Netflix ist einfach zu verlockend. Mir gefällt dieses Bild: Eine Gruppe von Entscheider:innen in einem meeting: alle nackt. Und alle sagen sich mal, was sie wirklich voneinander halten. Es wäre doch schön, sich mal wieder richtig zu streiten. So in echt, jetzt. Welche Gruppe das überlebt, die würde dann ehrlich innovativ. Das, glaube ich, möchte das Virus von uns. Wir können es ja mal testen.

eine Totenkopftasse

Welcome Virus, reloaded

welcome virus, relaoded

Ich muss vorher deutlich klarstellen: Das Virus ist hochgefährlich. Nicht nur für Lebenserfahrene und Vorerkrankte, sondern für Alle. Deswegen ist es auch wichtig, dass wir uns impfen lassen.

Besinnung

Aber ich stehe auch dazu, was ich schon während des ersten Lockdowns als “Teddy Knaller” verlautbarte: Das Virus ist nicht nur “unser Feind”. Wenn, dann sind wir selber “unser Feind”. Alles in uns, was wir “bekämpfen”, das machen wir stärker. Es gibt eine alte Weisheit der Samurai: Was wir nicht besiegen können, das müssen wir uns zum Freund machen. – Die Natur ist ja so schlau ! Sie hat Selbstheilungskräfte. Sie versucht, den natürlichen Gleichgewichtszustand wieder herzustellen. Deshalb schickt sie ein Virus. Damit wir zur Besinnung kommen. Im Grunde ist es ja so: unsere Lebensweise war schon vorher krank. Unsere Lebensgrundlagen sind bedroht. Was passiert ist, dass wir in einen Zustand der Gesundung kommen. Das ist schmerzhaft. Wir leiden. Wir liegen danieder. Natürlich möchte auch ich nicht, dass viele Menschen krank werden oder gar sterben. Und es ist eine zivilisatorische Errungenschaft, wenn wir uns selbst Freiheiten entziehen, um unsere Mitmenschen zu schützen. Aber ich glaube nicht, dass es hilft, wenn wir dauerhaft “Krieg gegen das Virus” führen. Wie wir ja sehen, packt auch das Virus seine Waffen aus. Was ist damit gewonnen ?

Gesunder Menschenverstand

Aber es wird alles gut werden. Wenn wir – neben den bekannten Maßnahmen – auch unseren gesunden Menschenverstand wieder einsetzen. Es gibt nicht nur einen Weg. Es gibt viele, wie wir mit der derzeitigen Situation umgehen können. Habt ihr Ideen ? Vorschläge ? Alternativen ? Ich freue mich auf Eure Kommentare zu diesem komplexen Themenfeld.

Was fühlst DU unter Deiner Maske ?
improvisiertes Sekthütchen

Martin Düsentrieb

Meine Grundstimmung, nicht erst seit Corona, schwankt ja zwischen latent niedergeschlagen und euphorisch aufgepeitscht, die ganze Welt umarmen wollend. Vielleicht bin ich Dauer-pupertär. Oder ein bisschen krank. Vielleicht ist es auch eine Charakterfrage – in meinem Horoskop halten sich Feuer,- und Wasserzeichen die Waage. Durch Kreativität, Kunstausübung und Sport habe ich diese Gefühlsschwankungen aber meistens im Griff. Herrje, ich wollte eigentlich über etwas anderes schreiben. Es geht mir nämlich darum zu erzählen, dass ich mich in den guten Stimmungslagen, die meistens überwiegen, in geistige Höhen aufschwinge, die die Welt ganz neu erklären wollen. Ich werde dann zum Erfinder.

Der Tante-Emma-Laden

Zum Beispiel hatte ich schon vor Jahren die Idee, man müsse ausgestorbene Ortsmitten auf dem Land wiederbeleben, indem man die Idee der Dorfläden reanimiert. Zum Beispiel durch ein Franchise-Unternehmen, welches man praktischerweise “Tante Emma” nennt. Überall könnten dann kleine “Tante Emma”- Läden entstehen, die – vor allem ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind – mit dem Nötigsten versorgen. Auch hatte ich, jetzt in der Corona-Zeit, die Idee, dass man im Theater zwei Kameras aufstellt, und Konzerte z.B. einfach abfilmt. Und auch der Phantasie (damals bezeichnete ich es noch als Phantasie), Innenstädte auto-frei zu machen, und Fussgänger-Zonen in für Menschen lebenswerte und liebenswerte Aufenthaltszonen umzugestalten, habe ich mich schon reichlich hingegeben.

Es liegt was in der Luft

Doch nach und nach dämmerte mir eine Erkenntnis, die mich einerseits ein bisschen frustrierte, andererseits auch erleichterte: du bist, Martin, nicht alleine mit diesen Ideen ! Ist es nicht so, dass auch gleichzeitig mit Dir, neben Dir und vor Dir Menschen auf ähnliche, vielleicht sogar gleiche Ideen kommen ? Habe ich nicht dieser Tage in einer Zeitung das Computer-animierte Bild des grün umgestalteten und plötzlich Fußgänger-freundlichen New Yorker Times Square gesehen ? Und entstehen nicht überall auf dem Land neuerdings wieder Dorfläden ? Sind die Theater nicht schon längst dabei mit Streaming -Formaten auch das Internet zu erobern ? Es ist meinem geltungsbedürftigen Ego schwer beizubringen, aber: ich bin bei Leibe nicht der Einzige, der diese Ideen hat. Und vor allem: in die Tat umsetzt !

Schlauer als man denkt

Und jetzt wir es wirklich spannend: Das Alles ist nicht überraschend. Das hat es gegeben und wird es immer geben, dass Ideen quasi “in der Luft” liegen. Dass bestimmte Ideen da sind, immer da waren und immer da sein werden. Und vor allem: dass Menschen an verschiedensten Punkten auf der Erde, auch lange vor Entstehung des Internets, gleichzeitig Dinge erfinden. Zum Beispiel die Fotokamera: Beinahe zeitgleich erfanden der französische Maler Daguerre (das sog. Daog-Verfahren) und der Brite William Talbot (das Negativ-Verfahren), mit denen Fotos mehrmals entwickelt werden konnten. Auch der Franzose Bayerd hatte entscheidenden Einfluss an der Weiterentwicklung und Verbesserung der ersten Fotos. (Quelle: https://www.taschenhirn.de/wissenschaft/beste-erfindungen/) Es ist ein Phänomen, aber irgendwas scheint “in der Luft zu liegen”, was einfach “erfunden werden will”. Phantastisch.

Macht es nicht selbst.

Früher war ich frustriert – oder gehetzt – oder Beides. Ich dachte, oh Backe, ich muss mich beeilen, ich muss dieses oder jenes jetzt bitte ganz schnell erfinden, beziehungsweise in die Tat umsetzen. Einer muss jetzt hier die Welt retten. Also warum nicht ich ? Es muss mit meinem Älter-Werden zusammenhängen, dass sich diese Leidenschaften etwas abgekühlt haben. Was nicht heißt, dass es nicht mehr diese Zustände in mir gibt, in denen es vor Ideen nur so sprudelt. Aber ich muss es nicht mehr gleich machen. Und vor allem nicht selbst. Gleichsam wie in diesem Lied von Tocotronic (CD Schall & Wahn 2010): “Macht es nicht selbst”, was sich allerdings auf etwas ganz anderes bezieht. Nämlich die schlechte Angewohnheit vieler Mitmenschen, Dinge selber in die Hand zu nehmen, die im Grunde in Profi-Hand gehören. Wie z.B. CD-Cover zu gestalten, oder websiten. Oder Blogs. Na ja. Stopp jetzt !

Buddhismus gleich glücklich ?

zum Glück gibts immernoch Nutella
Buddhismus. Hier hören.

Mich macht noch nicht mal der Buddhismus glücklich ! Das muss man erst mal hinkriegen ! Ein bisschen weiß ich schon, wovon ich rede: Ehrlich, ich hab`s probiert, mehrere Jahre lang. Also ist entweder an mir was falsch oder am Buddhismus. Letzteres kommt irgendwie nicht in Frage, denn am Buddhismus kann man nicht zweifeln. Wenn es eine Religion gibt, die das Zeug hat, Menschen glücklich zu machen, weil es mehr eine Philosophie ist, die sich mit der Beschaffenheit und Wirkweise des menschlichen Geistes beschäftigt, denn eine Religion, dann ist es der Buddhismus. Außerdem ist sie ja schon ziemlich alt und erprobt.

Kulturelle Prägung

Also muss es irgendwie an mir liegen, oder ? Jede Art von Abhängigkeit – und sei es von einem Glauben – das passt nicht zu mir. Da habe ich irgendwie einen zu dollen Freiheitsdrang. Oder den Drang unabhängig zu sein. Oder Kontrollzwang, meinetwegen. Auch selber denken finde ich gut. Ich kann mich gut anpassen, zumindest eine Zeit lang. Aber dann bricht es durch. Mir fällt es schwer, nach zuplappern, was andere für mich mundgerecht hingelegt haben. Auch kann ich mich schlecht geistig dauerhaft in eine Kultur fallen lassen, die nicht meinem Kulturkreis entspringt. Und der Buddhismus entspringt nicht meiner Kultur; zumindest nicht der, mit der ich aufgewachsen bin und die mich geprägt hat.

Higher Self(ish)

Seit einiger Zeit bin ich auch dabei selber zu ergründen, was es mit dem “höheren Selbst” auf sich hat. Versuche, einen eigenen Weg finden. Ein bisschen anmaßend vielleicht, aber auch spannend. Manchmal mache ich das durch Meditation, manchmal durch schreiben von Texten, aber vor allem nach wie vor durch Kunst schaffen. In meinem Fall darstellende Kunst.

Nutella

Und zum Glück gibt es ja noch Nutella. Für die ganz harten Tage.

Regenbogen Blitz

Der Regenbogenblitz
“Regenbogenblitz” hier hören

Der Regenbogen schlägt wie ein Blitz genau neben dem Strommast in das Feld ein. Wie eine Energie, die direkt aus dem Himmel kommt. Er verschönert das herbstliche Feld. Es ist Ende August, aber der Herbst “übt schon mal”.

Ski Heil !

Wanderbank
Ski Heil hier hören

Halli Hallo,

diese Skier stehen bei Südergellersen, das ist ein kleiner Ort nahe Amelinghausen, in der Lüneburger Heide. So etwas findet man, wenn man in der Heide wandert, oder spaziert. Diese herrliche Wanderbank befindet sich nahe des “Bürgerwaldes”. Man findet sie, wenn man den Ort auf dem “Flurlehrpfad” umrundet. Dazu muss man sich aber erst einmal auf den Weg machen. Wenn “Corona” ist, und ich deswegen zuhause Urlaub mache, dann finde ich solche Perlen. Vielleicht besorge ich mir gleich noch ne Flasche Almdudler dazu, oder ?

https://www.geolife.de/inhaltsverzeichnis/details/poi-2000004-8000-Flurlehrpfad_Suedergellersen.html

Frau an Kreuzung am Prenzlauer Berg

Nur in Berlin

“Nur in Berlin” hören
“Nur in Berlin” lesen:

Nur in Berlin kann ich in einem Moment mehr erleben, als in ihn hineinpasst. Ich stehe an einer Kreuzung im Trubel. Trotz Rotphase. Kann nur kurz um mich blicken, und erlebe doch viel mehr als ich verarbeiten kann. Eine Frau in weißem Hosenanzug. Ist das noch Berlin ? Oder schon New York ? Der Lärm ist manchmal unerträglich und dauernd diese Sirenen. Und die Straßenbahn ? Achtung – noch schnell mit dem Fahrrad über die Kreuzung, bevor die Autos grünes Licht bekommen ! Und beinahe eine Kollision. Aber nein, die sind geübt hier…