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Ausgefallenes Mach es (nicht) selbst Synchronizität

Welterfindung

Es geht mir nämlich darum zu erzählen, dass ich mich in den guten Stimmungslagen, die meistens überwiegen, in geistige Höhen aufschwinge, die die Welt ganz neu erklären wollen. Ich werde dann zum Erfinder !

Meine Grundstimmung, nicht erst seit Corona, schwankt ja zwischen latent niedergeschlagen, und euphorisch aufgepeitscht, die ganze Welt umarmen wollend. Vielleicht bin ich Dauer-pupertär. Oder ein bisschen krank. Vielleicht ist es auch eine Charakterfrage – in meinem Horoskop halten sich Feuer,- und Wasserzeichen die Waage. Durch Kreativität, Kunstausübung und Sport habe ich diese Gefühlsschwankungen aber meistens im Griff. Herrje, ich wollte eigentlich über etwas anderes schreiben. Es geht mir nämlich darum zu erzählen, dass ich mich in den guten Stimmungslagen, die meistens überwiegen, in geistige Höhen aufschwinge, die die Welt ganz neu erklären wollen. Ich werde dann zum Erfinder.

Der Tante-Emma-Laden

Zum Beispiel hatte ich schon vor Jahren die Idee, man müsse ausgestorbene Ortsmitten auf dem Land wiederbeleben, indem man die Idee der Dorfläden reanimiert. Zum Beispiel durch ein Franchise-Unternehmen, welches man praktischerweise “Tante Emma” nennt. Überall könnten dann kleine “Tante Emma”- Läden entstehen, die – vor allem ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind – mit dem Nötigsten versorgen. Auch hatte ich, jetzt in der Corona-Zeit, die Idee, dass man im Theater zwei Kameras aufstellt, und Konzerte z.B. einfach ab-filmt. Und auch der Phantasie (damals bezeichnete ich es noch als Phantasie), Innenstädte auto-frei zu machen, und Fussgänger-Zonen in für Menschen lebenswerte und liebenswerte Aufenthaltszonen umzugestalten, habe ich mich schon reichlich hingegeben.

Es liegt was in der Luft

Doch nach und nach dämmerte mir eine Erkenntnis, die mich einerseits ein bisschen frustrierte, andererseits auch erleichterte: du bist, Martin, nicht alleine mit diesen Ideen ! Ist es nicht so, dass auch gleichzeitig mit Dir, neben Dir und vor Dir Menschen auf ähnliche, vielleicht sogar gleiche Ideen kommen ? Habe ich nicht dieser Tage in einer Zeitung das Computer-animierte Bild des grün umgestalteten und plötzlich Fußgänger-freundlichen New Yorker Times Square gesehen ? Und entstehen nicht überall auf dem Land neuerdings wieder Dorfläden ? Sind die Theater nicht schon längst dabei mit Streaming -Formaten auch das Internet zu erobern ? Es ist meinem geltungsbedürftigen Ego schwer beizubringen, aber: ich bin bei Leibe nicht der Einzige, der diese Ideen hat. Und vor allem: in die Tat umsetzt !

Schlauer als man denkt

Und jetzt wir es wirklich spannend: Das Alles ist nicht überraschend. Das hat es gegeben und wird es immer geben, dass Ideen quasi “in der Luft” liegen. Dass bestimmte Ideen da sind, immer da waren und immer da sein werden. Und vor allem: dass Menschen an verschiedensten Punkten auf der Erde, auch lange vor Entstehung des Internets, gleichzeitig Dinge erfinden. Zum Beispiel die Fotokamera: Beinahe zeitgleich erfanden der französische Maler Daguerre (das sog. Daog-Verfahren) und der Brite William Talbot (das Negativ-Verfahren), mit denen Fotos mehrmals entwickelt werden konnten. Auch der Franzose Bayerd hatte entscheidenden Einfluss an der Weiterentwicklung und Verbesserung der ersten Fotos. (Quelle: https://www.taschenhirn.de/wissenschaft/beste-erfindungen/) Es ist ein Phänomen, aber irgendwas scheint “in der Luft zu liegen”, was einfach “erfunden werden will”. Phantastisch.

Macht es nicht selbst.

Früher war ich frustriert – oder gehetzt – oder Beides. Ich dachte, oh Backe, ich muss mich beeilen, ich muss dieses oder jenes jetzt bitte ganz schnell erfinden, beziehungsweise in die Tat umsetzen. Einer muss jetzt hier die Welt retten. Also warum nicht ich ? Es muss mit meinem Älter-Werden zusammenhängen, dass sich diese Leidenschaften etwas abgekühlt haben. Was nicht heißt, dass es nicht mehr diese Zustände in mir gibt, in denen es vor Ideen nur so sprudelt. Aber ich muss es nicht mehr gleich machen. Und vor allem nicht selbst. Gleichsam wie in diesem Lied von Tocotronic (CD Schall & Wahn 2010): “Macht es nicht selbst”, was sich allerdings auf etwas ganz anderes bezieht. Nämlich die schlechte Angewohnheit vieler Mitmenschen, Dinge selber in die Hand zu nehmen, die im Grunde in Profi-Hand gehören. Wie z.B. CD-Cover zu gestalten, oder websiten. Oder Blogs. Na ja. Stopp jetzt !

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